Connection timed out Presseberichte : Evangelische Kirchengemeinde Burladingen

Gemeindefest-Erlös für Sozialstation

Das Gemeindefest der evangelischen Kirche Burladingen hat sich auch für Menschen gelohnt, die gar nicht teilnahmen. Denn der Erlös, 750 Euro, ging jetzt an die Tagespflege der Sozialstation St. Franziskus in der Josengasse. Die Sozialstation will das Geld in die Gestaltung des Außenbereichs fließen lassen. Das Bild zeigt von links: Kirchengemeinderatsvorsitzender Sven Dreger, stellvertretende Pflegedienstleiterin Katja Winter, Martina Diebold von der Tagespflege und Geschäftsführer Bernd Flad.

Aktivitäten zu Wasser und zu Lande

"Damals lief gerade nichts. Da habe ich mir gesagt, ich fange mal an", so schildert der heute 66-jährige Dieter Boßmann, wie er 2007 in der evangelischen Kirchengemeinde Burladingens die Pfadfindergruppe gründete.

Burladingen. Zu dieser Zeit lebte Boßmann gerade seit einem Jahr in Burladingen. Er selber ist seit seinem 16. Lebensjahr Pfadfinder. "Ich war ein Quereinsteiger", kommentiert er den späten Eintritt in eine Gruppe, deren Ideen ihn seitdem immer wieder begeistern. Als er in die Fehlastadt kam und feststellte, dass die evangelische Kirchengemeinde noch keine Pfadfinder hatte, stellte Boßmann bei einem Gemeindefest einfach zwei Zelte auf, ließ einen Film laufen und suchte Mitstreiter. Bald hatte er eine kleine Gruppe zusammen, avancierte zum Stammesältesten. Die Aktiven entschieden sich dafür, ihre Gruppe nach Alexander von Humboldt zu benennen. Der Name des Forschers, Abenteurers und Universalgenies steht für einen vorurteilsfreien Blick, lebenslanges Lernen, Humanität und Menschenfreundlichkeit.

Mittlerweile sind die Burladinger Pfadfinder elf Jahre alt, haben rund zehn aktive Mitglieder. Geführt werden sie außer von Dieter Boßmann auch von den Gruppenleitern Ute Liebald und Lukas Reinecke. Und nach den Sommerferien soll sich eine Kindergruppe von Sieben- bis Elfjährigen bilden – die so genannten Wölflinge.

Jeden Tag eine gute Tat – auf das gängige Klischee zum Thema Pfadfinder angesprochen, hat Boßmann ein Lächeln parat. "Das ist eigentlich eine Umschreibung dafür, dass wir Jugendliche dazu anhalten, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und zu helfen, wenn sie können." Respekt vor den Mitmenschen, davon ist Boßmann überzeugt, "haben Kinder instinktiv drauf", man müsse sie nur machen lassen. Und "Führung geschieht im Dialog". So werden auch die Aktivitäten gemeinsam ausgesucht.

Pfadfinder zu sein, heißt vor allem, draußen sein. Längst bevor das Wort von den Outdoor-Aktivitäten in aller Munde war, hatten sich Pfadfinder Naturerlebnisse, ausgedehnte Wanderungen, Lagerleben und das Übernachten unter freiem Himmel auf die Fahnen geschrieben. Zelt aufbauen, Feuer machen, eine Suppen kochen, und das alles im Team, das macht die Pfadfinder "lagertauglich", wie Bossmann sagt. Die Burladinger sind aber noch mehr. Sie sind auch "seetauglich". Weil Boßmann einen Segelschein hat, fiel es ihm nicht schwer, die Burladinger Kinder für Segeljollen, Kanus und Kajakfahrten zu begeistern, und so haben die Pfadfinder auch eine so genannte Waterscouting-Gruppe – die Seepfadis, wie sie sich selber nennen –, die kleine Boote, Kanus und Kajaks hat. Geübt wird am Kirchentellinsfurter Baggersee, dem Epplesee oder am Bodensee. Zwar sind die Burladinger evangelischen Pfadfinder unter dem Dachverband der VCP, dem Verband christlicher Pfadfinder, organisiert, aber, so Boßmann: "Wir stehen allen offen. Zu uns dürfen auch Katholiken kommen und wir würden uns freuen, wenn auch ein paar muslimische Jugendliche den Weg zu uns finden. Wir wollen niemanden bekehren." Auch Erwachsene, die Interesse an der Jugendarbeit haben, dürfen sich bei der unternehmungslustigen Gruppe melden.

Jugendleiterinnen und Jugendleiter können sich bei den Pfadfindern qualifiziert weiterbilden. "Auch Quereinsteiger", betont Dieter Boßmann, die eben nicht schon seit dem Kindesalter bei den Pfadis sind. Dabei würden Fortbildungswillige und Anwärter auf Jugendleiterposten auch finanziell unterstützt. Und schließlich sei es auch möglich, ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Pfadfindern zu machen.

 Kontakt zu den Burladinger Pfadfindern gibt es unter: stammdontospamme@gowaway.vcp-burladingen.de

 

Fabrikant zeigt sich großzügig

Ihr Vorbild steht in Hirschegg im Kleinen Walsertal – und der Grundstock für den Bau der evangelischen Kirche in Gauselfingen war eine Spende des Textilfabrikanten Emmerich Mayer, dem die Fabrik Jercoma gehörte. Die Grundsteinlegung war am 12. Juni 1958.

 

Burladingen-Gauselfingen. Emmerich Mayer, auch Schwanen-Mayer genannt, war, nachdem die kleine evangelische Gemeinde Gauselfingens auch aufgrund der Flüchtlinge stark gewachsen war und die Wohnzimmer-Gottesdienste fast aus allen Nähten platzten, auf den damaligen Vikar G. Amann zugegangen. "Herr Vikar, wir bauen eine Kirche!", hatte Mayer ihm verkündet und gleich einmal den Bauplatz am Waldrand in der Schulstraße und eine fünfstellige Summe als Grundstock gestiftet. Der Architekt machte sich ans Werk.

Die ersten Entwürfe mit rechteckigem Grundriss und Dachreiter gefielen dem Förderer aber nicht wirklich. Er fand, eine richtige Kirche müsse auch einen Turm haben, und so nahm man die kleine runde Kirche in Hirschegg im Kleinen Walsertal zum Vorbild. Der Turm wurde zum Vorbau, der Grundriss wurde oval. Hinter dem Altar ist ein einziges buntes Glasfenster eingebaut, das den Titel "Der gute Hirte" trägt. Auf dem Grundstein, rechts des Altars, steht ein Text aus dem Lukas-Evangelium Kapitel 12, Vers 32 geschrieben: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde".

Die Einweihung war am 1. Februar 1959. Seitdem ist das Fehlatal in Gauselfingen umrahmt von zwei Kirchen, auf der einen Hangseite die katholische, auf der anderen die evangelische, die zwar 80 Besuchern einen Platz bietet, aber bis heute keinen Namen trägt. Gottesdienste finden in dem kleinen evangelischen Gotteshaus alle 14 Tage statt. "Und dann kommen auch oft katholische Christen", berichtet die Mesmerin Gabriele Wiedmann. Sie ist seit 20 Jahren für die Kirche zuständig, hält sie sauber, schmückt sie für die Gottesdienste und kümmert sich um die Grünanlage. Sehr gefreut hat sie sich, als vor fünf Jahren die kleine runde Kirche renoviert wurde und einen behindertengerechteren Zugang und auch eine Toilette bekam.

 

Viele Ideen für das kleine Gotteshaus

Einmal, so berichtet Wiedmann, hätten sich an einem Heiligabend 117 Besucher zum Gottesdienst eingefunden. "Da mussten wir Stühle aufstellen und ein bisschen quetschen, das war wirklich kuschelig", freut sich die 50-Jährige noch heute. Sie hofft, so wie die anderen evangelischen Christen Burladingens auch, dass die Pfarrerstelle bald wieder besetzt wird. Denn der Kirchengemeinderat hat viele Ideen für das kleine Gotteshaus in Gauselfingen. Es eignet sich hervorragend für Trauungen, kleine Konzerte, Lesungen oder auch mal ein Taizé-Gebet. Dann würde die Türe der Kirche öfter offen stehen, als nur jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat.

 

 

Die Suche nach einem neuen Pfarrer

"Es sieht gut aus", sagt Vera Bender, Vorsitzende des Besetzungsgremiums der evangelischen Kirchengemeinde Burladingen. Zum 1. Januar 2019 könnte die derzeit verwaiste Pfarrstelle wieder besetzt sein.

 

Burladingen. Pfarrer Christoph Dinkelacker war nach 17 Jahren an der Spitze der evangelischen Kirchengemeinde in den Vorruhestand getreten, der Pfingstgottesdienst war eine seiner letzten öffentlichen Amtshandlungen gewesen. Seitdem werden die Gottesdienste von Pfarrerin Bärbel Danner aus Bitz, übernommen, Stellvertreter im Pfarramt ist Herbert Würth aus Hechingen, der für Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen, Beerdigungen oder die Seelsorge zuständig ist, und um die Konfirmanden kümmert sich Pfarrer Frank Steiner aus Rangendingen.

Es läuft also alles bei Burladingens evangelischen Christen. Aber ein Dauerzustand ist das natürlich nicht. Die Neubesetzung einer Pfarrstelle in einer evangelischen Gemeinde ist ein langer Prozess. Wie der aussieht, erklärte Vera Bender im Gespräch mit unserer Zeitung. Bereits am 13. März, so erläuterte sie, sei das Besetzungsgremium zum ersten Mal zusammen getreten. Ihm gehören alle Kirchengemeinderäte sowie der Bezirksvertreter an. Bender wurde zur Vorsitzenden gewählt, und schließlich setzte das Gremium den Ausschreibungstext für die Stellenanzeige auf. "Der liest sich so wie der von einer Firma", erklärt Bender. Zunächst stellt sich die Gemeinde samt ihrer Gruppen und Zirkel vor und erläutert das Stellenprofil, die Konditionen, etwa die Wohnsituation, und formuliert schließlich, was die Gemeinde sich von dem neuen Stelleninhaber oder der Stelleninhaberin wünscht. Danach wird die Stelle vom Oberkirchenrat ausgeschrieben, der vom Besetzungsgremium formulierte Text in einem Fachblatt für Pfarrer, es nennt sich "a+b" (Arbeit und Besinnung) veröffentlicht.

Die Burladinger Stelle war am 17. April bereits dort ausgeschrieben. Allerdings ging innerhalb der dreiwöchigen Frist keine einzige Bewerbung ein. "Junge Pfarrerinnen und Pfarrer wollen nicht aufs Land, und eine Gemeinde wie die unsere mit zwei Kirchen und den vielen Teilorten ist vielleicht auch nicht auf Anhieb attraktiv", weiß Bender. Am 19. Juni wurde die Stelle ein zweites Mal ausgeschrieben, und diesmal muss zumindest eine Bewerbung eingegangen sein. Denn das Besetzungsgremium hat jetzt einen Namen und die Bewerbungsunterlagen eines Kandidaten, den der Oberkirchenrat den Burladingern ausgewählt und benannt hat. Ob weitere Bewerbungen eingegangen sind, das wird das Gremium allerdings nicht erfahren. Einige der Burladinger Kirchengemeinderäte haben sich allerdings schon aufgemacht, um einmal einen Gottesdienst ihres Kandidaten zu besuchen. Einige werden das in den nächsten Wochen noch tun. Denn demnächst muss das Besetzungsgremium zusammentreten und den Bewerber zum Vorstellungsgespräch empfangen. "Eigentlich hätten wir bis Ende August die Wahl abhalten müssen. Aber weil wir mitten in der Urlaubszeit und einige noch verreist sind, habe ich um Fristverlängerung gebeten", erläutert Vera Bender. Trotzdem, sie hofft, dass das Vorstellungsgespräch bis Ende September stattfinden und am selben Abend gleich gewählt werden kann. Der Kandidat muss dabei mindestens sechs Stimmen erhalten, unabhängig davon, ob alle Gremiumsmitglieder anwesend sind. Da kaum ein Pfarrer oder eine Pfarrerin ihre Gemeinde in der Vorweihnachtszeit wird verlassen wollen, schätzt Vera Bender, dass die Burladinger zum 1. Januar 2019 wieder einen Pfarrer oder eine Pfarrerin haben.

 

Lebens-Schwellen können Chance sein

Lauter strahlende Gesichter waren am Sonntag beim Gemeindefest der evangelischen Kirchengemeinde Burladingen zu erblicken. Unter den zahlreichen Besuchern waren auch viele, die erstmals zum Fest kamen und sich wohl fühlten.

 

Burladingen. Den Beginn setzte der Gottesdienst, den Pfarrerin Bärbel Danner aus Bitz unter das Motto "Segen" stellte. Bekannt sind die Worte "Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein"; sie stammen aus dem ersten Buch Mose Kapitel zwölf und beschreiben den Aufbruch des 75-jährigen Abraham in ein fremdes Land, in eine neue Zukunft. "Am Übergang, auf der Schwelle, das ist ein bevorzugter Ort des Segens", erläuterte Pfarrerin Danner. Solche Schwellen des Lebens seien merkwürdige Orte und nicht ganz ungefährlich. Anhand von Beispielen verdeutlichte die Seelsorgerin Schwellensituationen.

 

Auch Nationalmannschaft in Schwellensituation

Ob zum Beginn einer Reise, am Schulstart, dem Aufbau einer neuen Beziehung oder an der Schwelle zwischen Leben und Tod, wenn man am bedürftigsten für den Segen sei. Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft befinde sich gerade in einer Schwellensituation, griff Danner aktuelle Ereignisse auf. Man zögere und frage sich, was wohl kommen werde, bevor man sich ins Ungewisse aufmache. Doch Schwellensituationen könnten eben auch eine große Chance sein.

Die Predigt hätte an diesem Sonntag nicht besser passen können. Denn auch die Kirchengemeinde selbst befindet sich gerade in einer Schwellensituation und sucht einen neuen Pfarrer oder eine Pfarrerin. Erfreulich war es dabei für die Kirchengemeinderäte, dass sie auf die Hilfe und Kooperationen von unterschiedlichster Seite vertrauen durften. So wurde das Gemeindefest zu einer rundum gelungenen Veranstaltung.

Neben ehemaligen Konfirmanden standen auch Jugendliche des diesjährigen Jahrgangs bereit, um an der Saftbar alkoholfreie Cocktails zu mixen. Die Pfadfinder luden zum Armbrustschießen und zum Zielen mit der Steinschleuder ein.

Es wurde Stockbrot am offenen Feuer gebraten, und das Zelt mit dem Tippkick-Turnier wollten die Kinder gar nicht mehr verlassen. Die Pflanzen am "Grünen Tisch" erfreuten sich ebenso großer Nachfrage wie die ausgefallenen Gegenstände am Flohmarkt. Runde um Runde wurde das Glücksrad gedreht, bei dem es Preise zu gewinnen gab. Den Hauptpreis bildete ein Gutschein im Wert von 199 Euro.

Reich beschenkt wurden am Sonntag allerdings alle. Veranstalter wie Gäste. Denn es fanden vielfältige Begegnungen statt. Für frischen Wind sorgten vier Tanzgruppen der "Dancing Crew". Das kam beim Publikum sehr gut an. Und hatte zugleich einen tollen Nebeneffekt: Jung und Alt vergnügten sich gemeinsam beim Gemeindefest – generationenübergreifend.

 

 

Gleich drei fleißige Helfer werden für ihre Arbeit geehrt

Für 20 Jahre im Dienste der Evangelischen Kirchengemeinde Burladingen wurden vergangenen Sonntag gleich zwei Mesnerinnen und ein Hausmeister ausgezeichnet. "Ein Mesneramt zu übernehmen, das bedeutet, dass man Gottesdienste vorbereitet und begleitet, eine Atmosphäre schafft, in der sich die Gottesdienstbesucher wohlfühlen", zollte Pfarrer Christoph Dinkelacker den drei Arbeitsjubilaren Gabriele Wiedmann sowie Olga und Nikolaus Konrad großes Lob.

Es war im Jahr 1997, als Uwe und Gabriele Wiedmann ihre zweite Tochter Alice in der schönen kleinen Kirche in Gauselfingen taufen lassen wollten. Das war allerdings nicht möglich, wie der damalige Pfarrer Friedrich Hitziger nüchtern feststellte, denn damals gab es keinen Mesner.

Falls die junge Mutter die Kirche allerdings selbst putzen und herrichten wollte, dann könne man die kleine Alice in Gauselfingen, dem Wohnort der Wiedmanns, taufen. Gesagt, getan. Aus der einmaligen Sache wurde eine Anstellung mit geringfügigem Auftrag ab 1. Mai 1997.

Freude am Blumenschmuck

"Ich singe sehr gerne und aus tiefstem Herzen", bekennt Gabriele Wiedmann, die immer strahlt, wenn sie die Gottesdienstbesucher in Gauselfingen begrüßen kann. Das Dekorieren und Bereiten des Blumenschmucks liegt der Künstlerin ganz besonders. Sie erinnert sich noch gut an die ersten Jahre mit den beiden kleinen Kindern.

Schwere Arbeiten kann Gabriele Wiedmann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Da muss dann ihr Mann Uwe beim Rasenmähen und Christbaumschmücken ran. Auch die inzwischen erwachsenen Töchter helfen der Mutter gerne.

Die Glocken läuten, die Kerzen richten, die Kirche putzen. Das alles machen seit dem 1. Mai 1997 auch die Eheleute Olga und Nikolaus Konrad in der Burladinger Versöhnungskirche. Als fleißige Kirchgängerin wurde auch Olga Konrad vor 20 Jahren von Pfarrer Hitziger angesprochen, ob sie nicht das Mesneramt in Burladingen übernehmen möchte. Doch alleine wollte sie, die bis heute noch bei Trigema arbeitet, diese Aufgabe nicht stemmen.

Also holte man noch ihren Ehemann Nikolaus mit ins Boot. Schließlich galt es unter anderem, die große Rasenfläche zu mähen und bis vor wenigen Jahren auch noch den Winterdienst zu übernehmen, der inzwischen ausgelagert wurde.

Zum Start ins neue kirchliche Amt haben die Konrads dann auch gleich die Blautanne gepflanzt, die bis heute noch vor der Kirche wächst. Dass die Fenster in der Kirche und auch im Gemeindesaal sehr schwierig zu putzen seien, da man sie nicht öffnen kann, merkte Pfarrer Dinkelacker bei seinem Dank an. "Ich kenne jede Ecke in der Kirche, denn sie ist wie mein zweites Zuhause", sagt Olga Konrad lachend. Und etwas trauriger fügt sie hinzu: "Ich habe in diesen 20 Jahren viele Menschen kommen und auch gehen sehen."

Viel zu selten lobe man die Mesner für ihren wertvollen Dienst, bekannte Pfarrer Dinkelacker und überreichte Gabriele Wiedmann beim Gottesdienst in Gauselfingen sowie Olga und Nikolaus Konrad beim Gottesdienst in Burladingen einen Geschenkkorb als Zeichen des Dankes.

 

 

Ein Fest des Miteinanders gefeiert

Es wurde ein Fest des Miteinanders, als am Reformationstag in Burladingen gemeinsam Gottesdienst gefeiert und die Ausstellung der "burladinger maler" eröffnet wurde.

Dieser Vormittag hatte einen ganz eigenen Zauber. Die evangelische Versöhnungskirche in Burladingen war so voll wie selten. Protestanten und Katholiken feierten gemeinsam Gottesdienst – in wunderbarer Harmonie. Dabei eröffnete Pfarrer Christoph Dinkelacker den Gottesdienst mit den Worten: "Mit der Reformation hat vor 500 Jahren die Kirchenspaltung begonnen."

Und obwohl die beiden großen christlichen Kirchen auch heute noch vieles trennt, so waren die verschiedenen Kirchgänger doch – an diesem Tag wie an vielen anderen – im Glauben verbunden. Die Predigt über das Kirchenlied "Ein feste Burg ist unser Gott" wurde in zwei Teilen gehalten. Pfarrer Christoph Dinkelacker und sein katholischer Kollege Konrad Bueb gingen auf die Geschichte des "Lieds der Reformation" von seiner Entstehung bis heute näher ein. Und zur Demonstration des musikalischen Wandels spielte Organist Hilger Maurer jeweils die Melodie dazu.

Vier Konfirmanden sprachen den Psalm 46, auf den das Kirchenlied zurückgeht, in unterschiedlichen Übersetzungen: Lutherübersetzung, Zürcher Übersetzung, nach Martin Buber und der "Bibel in gerechter Sprache". Die Fürbitten wurden vom katholischen Pfarrer Bueb und den evangelischen Kirchengemeinderäten vorgebracht.

Und so wie sich das Lied "Ein feste Burg ist unser Gott", Anfang des 16. Jahrhunderts von Martin Luther komponiert, im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat, so hat sich auch das Miteinander von Katholiken und Evangelischen gewandelt. Schließlich habe Martin Luther nie die Kirchenspaltung gewollt, zu der es dann kam. Die Bauernkriege und der 30-jährige Krieg folgten.

Und auch das ursprüngliche "Hüpflied" war ein rhythmisch akzentuiertes mit typischer Renaissance-Melodie. 100 Jahre nach seiner Entstehung komponierte Heinrich Schütz Pauken und Trompeten dazu. Später wird es wieder schlichter. "So besingt man einen strengen Gott", erläuterte Dinkelacker. Im 30-jährigen Krieg avancierte das Lied gar zum Militärmarsch. Im 18. Jahrhundert bearbeitete es Johann Sebastian Bach in einer Kantate und Heinrich Heine nennt es später die "Marseillaise der Reformation". Es gilt als "Trutz- und Triumphlied" der evangelischen Kirche. Heute gibt es viele Neuvertonungen: Pop, Hiphop, Balladen und Funk-Versionen.

Gauselfinger Sänger verschönern die Feier

Wie es üblicherweise im Gottesdienst unserer Zeit gesungen wird, verdeutlichte der Gesangverein Harmonie aus Gauselfingen. Der Chor bereicherte mit seinem wundervollen Gesang sowohl den Gottesdienst als auch die anschließende Vernissage. Mit ihrem katholischen Kirchenmusiker Michael Eisele hatte der Chor Luther-Lieder einstudiert. Doch die Ausstellungseröffnung läuteten sie mit dem Halleluja ein.

Viele Besucher bewunderten die 26 Exponate zum Thema Reformation und labten sich an Häppchen und Getränken wie dem Reformationsbier. Wolfgang Bastian, der Vorsitzende der burladinger maler, erklärte stolz, dass fast alle der 15 ausstellenden Künstler anwesend seien – und das immerhin schon zum Gottesdienst. "Jedes Bild hat einen Bezug zum Glauben", erläuterte Bastian, der eines der Ausstellungsstücke, einen Holzstab mit Lutherrose und entsprechendem Text, Pfarrer Dinkelacker in die Hand gab – ganz nach dem Motto "Dein Stecken und Stab trösten mich." Ob Engel, die "Vergänglichkeit" oder gar die "Inquisition", "95 Posts" statt 95 Thesen, ein Luther-Portrait oder eine Collage mit Hammer – die Kreativität der Künstler wurde deutlich.