Gottesdienste zu Hause feiern

Liebe Gemeindeglieder,

hier finden Sie die liturgischen Bausteine der vergangenen Sonntage, damit Sie zu Hause Orgelmusik hören können, Lieder singen, Gebete sprechen und einen geistlichen Impuls erhalten. Vielleicht möchten sie ja den einen oder anderen Gottesdienst "nachfeiern", einen Impuls noch einmal lesen, ein Gebet noch einmal sprechen oder sich nochmals ein Lied anhören ...

"Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen." Mt. 18,20

Durch die sogenannte "Heilige Woche", also von Palmsonntag bis Ostermontag, begleiten uns in fortlaufender Lesung die Texte des Markus-Evangeliums: Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu (Kapitel 14-16).

Geistlicher Impuls zum Einstieg

Corona. Angst. Und Fragen.

 

"Gott, mein Gott, warum …?"

Angst, Todesangst.

"Warum hast du mich verlassen?"

 

"O große Not, Gott selbst ist tot, am Kreuz ist er gestorben." (Johann Rist 1641)

Gott von Gott verlassen?

 

Viele haben Angst, Todesangst.

Von Gott verlassen?

 

Karfreitag verstehen: Wir müssen es nicht.

Vielleicht nur das eine stehenlassen: Gott wollte es so.

Ging selbst in den Tod, damit der Tod kein gottverlassener Ort mehr ist.

 

Übers Ende hinausgedacht: Der Liebe trauen.

Gott ist konsequent seinen Weg gegangen auf Erden.

Liebe will keine Macht, keine Gewalt, keine Vergeltung.

Nur Versöhnung – und Nähe jenseits allen Verstandes.

 

Annegret Liebmann

Karfreitag                                        liturgische Farbe: schwarz

(Tag der Kreuzigung des Herrn)

 

Thema des Tages: Gekreuzigt und gestorben

Orgelvorspiel: Johann Gottfried Walther, Herzlich tut mich verlangen

Tagesspruch:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

 

Tagespsalm: Psalm 22-I (EG 709)

 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,

und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Du aber bist heilig,

der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich;

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet,

sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;

denn es ist hier kein Helfer.

Aber du, Herr, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile mir zu helfen!

Lied zum Tag: O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85,1.4.9.10)

1. O Haupt voll Blut und Wunden, / voll Schmerz und voller Hohn, / o Haupt, zum Spott gebunden / mit einer Dornenkron, / o Haupt, sonst schön gezieret / mit höchster Ehr und Zier, / jetzt aber hoch schimpfieret: / gegrüßet seist du mir!

 

4. Nun, was du, Herr, erduldet, / ist alles meine Last; / ich hab es selbst verschuldet, / was du getragen hast. / Schau her, hier steh ich Armer, / der Zorn verdienet hat. / Gib mir, o mein Erbarmer, / den Anblick deiner Gnad.

 

9. Wenn ich einmal soll scheiden, / so scheide nicht von mir, / wenn ich den Tod soll leiden, / so tritt du dann herfür; / wenn mir am allerbängsten / wird um das Herze sein, / so reiß mich aus den Ängsten / kraft deiner Angst und Pein.

 

10. Erscheine mir zum Schilde, / zum Trost in meinem Tod, / und lass mich sehn dein Bilde / in deiner Kreuzesnot. / Da will ich nach dir blicken, / da will ich glaubensvoll / dich fest an mein Herz drücken. / Wer so stirbt, der stirbt wohl.

 

Text: Paul Gerhardt 1656 nach "Salve caput cruentatum" des Arnulf von Löwen vor 1250; Melodie: Hans Leo Hassler 1601; geistlich Brieg nach 1601, Görlitz 1613 "Herzlich tut mich verlangen"

Jesu Leiden und Sterben nach dem Markus-Evangelium: Mk 15,20b-47

 

Jesu Kreuzigung und Tod

20b Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten. 21 Und zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.

22 Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte.

23 Und sie gaben ihm Myrrhe im Wein zu trinken; aber er nahm's nicht.

24 Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte. 25 Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

26 Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden.

 

27 Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

29 Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, 30 hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!

31 Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. 32 Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.

 

33 Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

34 Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia.

36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!

37 Aber Jesus schrie laut und verschied.

38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.

 

39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

40 Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome, 41 die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

 

 

Jesu Grablegung

42 Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, 43 kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete; der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu.

44 Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon länger gestorben wäre. 45 Und als er's erkundet hatte von dem Hauptmann, überließ er Josef den Leichnam.

46 Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.

47 Aber Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt war.

Lied zum Tag: In einer fernen Zeit (Wo wir dich loben+, 164,1-5)

1. In einer fernen Zeit / gehst du nach Golgatha, / erduldest Einsamkeit / sagst selbst zum Sterben ja.

 

2. Du weißt, was Leiden ist. / Du weißt, was Schmerzen sind, / der du mein Bruder bist, / ein Mensch und Gottes Kind.

 

3. Verlassen ganz und gar / von Menschen und von Gott, / bringst du dein Leben dar / und stirbst den Kreuzestod.

 

4. Stirbst draußen vor dem Tor, / stirbst mitten in der Welt. / Im Leiden lebst du vor, / was wirklich trägt und hält.

 

5. Erstehe neu in mir. / Erstehe jeden Tag. / Erhalte mich bei dir, / was immer kommen mag. // Amen, Amen, Amen.

 

Text: Otmar Schulz; französisch: Danielle Guerrier Koegler 2015; Melodie: Andreas Brunion © Verlag Singende Gemeinde, Wuppertal

Fürbittengebet: (nach velkd.de)

Unter deinem Kreuz stehen wir, Jesus Christus.

Unter deinem Kreuz suchen wir nach Antworten.

Unter deinem Kreuz rufen wir:

Jesus Christus, erbarme dich.

 

Du stirbst am Kreuz

für die Stolzen, die Gleichgültigen,

für die Rücksichtslosen, die Egoisten,

für uns alle.

Jesus Christus, erbarme dich.

 

Du stirbst am Kreuz

für die Schwachen, die Hungrigen,

für die Mutlosen, die Verzweifelten.

Jesus Christus, erbarme dich.

 

Du stirbst am Kreuz

für die Klugen, die Einfältigen,

für die Angesehenen, die Hoffnungslosen.

Jesus Christus, erbarme dich.

 

Du stirbst am Kreuz

und rettest

die Schöpfung, die Liebe, das Leben.

Jesus Christus, erbarme dich.

 

Du stirbst am Kreuz.

Überlass uns nicht dem Tod.

Rette unsere Freunde vor dem Tod.

Rette unsere Feinde vor dem Tod.

Rette deine Schöpfung.

Jesus Christus, erbarme dich.

 

Unter deinem Kreuz stehen wir, Jesus Christus.

Unter deinem Kreuz rufen wir:

Wir glauben,

hilf unserem Unglauben.

Jesus Christus, erbarme dich.

 

Heute. Jetzt. Immer und überall.

Amen.

 

Vater unser im Himmel …

Lied: Menschen gehen zu Gott in ihrer Not (EG 547,1-3)

1. Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, / flehen um Hilfe, / bitten um Glück und Brot, / um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. / So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

 

2. Menschen gehen zu Gott in seiner Not, / finden ihn arm, geschmäht, / ohne Obdach und Brot, / sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod, / Christen stehen bei Gott / in seinen Leiden.

 

3. Gott geht zu allen Menschen / in ihrer Not, / sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot, / stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod / und vergibt ihnen beiden.

 

Text: Dietrich Bonhoeffer (1944) 1951; Melodie: Dieter Schnebel (1993)

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dich und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

Orgelnachspiel: Johann Sebastian Bach, Trio c-Moll (Adagio) (BWV 585)


Opferaufruf

Leider können zur Zeit keine Gottesdienste stattfinden. Dies ist in der Passions- und Osterzeit besonders bitter. Das Gottesdienstopfer am Karfreitag fällt damit aus. Dies bedeutet für unsere Geschwister in Osteuropa einen radikalen Ausfall an unterstützenden Projektmitteln. Die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ unterstützt in vielen europäischen Nachbarländern hilfreiche Projekte für Menschen in Not. Dort ist die Bedrohung mit dem Corona-Virus eine zusätzliche schwere Belastung.

Um dem Ausfall des Gottesdienstopfers entgegenzutreten, bitten wir Sie, online über die Internetseite www.diakonie-wuerttemberg.de Ihre Spende abzugeben.

 

 „Hoffnung für Osteuropa“ will Menschen in Notlagen neue Zuversicht geben. Hoffnung teilen, Hilfe weitergeben. Das Wort Jesu: „Ich war hungrig und ihr habt mich gespeist, ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Matthäus 25,35) stellt uns besonders an die Seite von Armen und Ausgegrenzten, Flüchtlingen, alten Menschen sowie benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Mit Ihrer Hilfe können Geschwister in Osteuropa erfahren, dass sie Teil der großen Gemeinschaft sind, die einander in Christi Namen hilft. Auch Ihre Spende gibt Hoffnung – Hoffnung für Osteuropa! Herzlichen Dank für Ihre Gaben. Dr. h. c. Frank Otfried July Landesbischof