Wort des Landesbischofs

Liebe Schwestern und Brüder,

 

seien Sie herzlich gegrüßt in diesen so ungewöhnlichen Tagen. Die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten steigen. Die Belastung für die Krankenhäuser nimmt weiter zu.

 

Worauf es jetzt ankommt: Herz, Verstand und Abstand.

 

Sie helfen, die Corona-Infektionen einzudämmen und medizinische Mittel für angemessene Versorgung schwer kranker Menschen zu erhalten. Darum bedarf es der genauen Beachtung der angeordneten Maßnahmen. Wir als christliche Kirche folgen aus Herzens- und Verstandesgründen diesen Verhaltensregeln: aus Nächstenliebe. Es kommt auf jeden und jede von uns an!

 

Zugleich spüren wir es persönlich und in unseren Kirchengemeinden, wie schwer es fällt, in dieser Krisenzeit keine öffentlichen Gottesdienste und Andachten in unseren Kirchen feiern zu können. Gerade jetzt fragen viele nach Trost und Begleitung, nach Aussprache und Gebet, nach Durchbrechung innerer und äußerer Einsamkeit – nach Nähe!

 

Viele Pfarrerinnen und Pfarrer bieten über digitale Kommunikationswege ihre Begleitung und Präsenz an, sind ansprechbar. Aber auch Menschen, die diese Formen weniger gewohnt sind, müssen und sollen erreicht werden. Telefon- und Briefseelsorge in der eigenen Kirchengemeinde sind gute Möglichkeiten.

 

Ihre Kirche, Ihre Gemeinde, die Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lassen Sie nicht allein.

 

Wir bleiben verbunden. Wir sind für Sie da.

 

Mich hat in diesen Tagen auch die Nachdenklichkeit des Bundestrainers Joachim Löw berührt. Er fragt: Was ist jetzt wirklich wichtig?, und spricht von kollektivem Burnout. Das Tempo, das wir vorgegeben hätten, sei zu hoch gewesen – wir hätten immer gedacht, alles zu wissen und vieles Macht, Gier, Profit und Rekorden untergeordnet. Dabei müssen wir auf die wichtigen Dinge schauen – darauf, was im Leben wirklich zählt.

 

Wir als Kirche und mit unserer Diakonie wollen unseren Beitrag leisten, die gegenwärtige Situation zu bewältigen. Dazu gehört die Anerkennung und der Dank an die, die jetzt unermüdlich tätig sind. Ich danke den Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern in den Krankenhäusern, dem Pflegepersonal in den Pflegeheimen und den Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, den mobilen Diensten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Arbeit mit Wohnungslosen und Geflüchteten. Ich denke in besonderer Weise an unsere Mitarbeitenden in der Diakonie in Württemberg.

 

Als Christinnen und Christen wissen wir in diesen Tagen, dass wir auf Gottes Geleit vertrauen können. Wir wissen um die Hoffnung, die für uns in wenigen Wochen an Ostern wieder in besonderer Weise erfahrbar wird. Wir wissen um die Begrenztheit von uns Menschen, aber auch um die großen Gottesgaben: um Glaube, Hoffnung und Liebe! Und wir bedienen uns des Verstandes, der uns lehrt, in diesen Tagen Verantwortung zu übernehmen.

 

Herz, Verstand und Abstand. Und zugleich: Nähe des Zuspruchs der Gnade und der Verlässlichkeit Gottes.

 

Ich grüße Sie herzlich mit einem Vers aus unserem Evangelischen Gesangbuch:

„Führe mich, o Herr,
und leite meinen Gang nach deinem Wort,
sei und bleibe Du auch heute
mein Beschützer und mein Hort.
Nirgends als bei Dir allein
kann ich recht bewahret sein.”

EG 445,5

 

Gott behüte Sie!   

Ihr
Landesbischof
Dr. h. c. Frank Otfried July

 

Das Bischofswort als Video.

Trost gegen die Furcht

Leichtsinn ist gefährlich, wie einige Beispiele aus den letzten Tagen zeigen.

Wer dagegen die „Lage ernst nimmt“ und sich der Furcht stellt, erfährt auch Trost.

 

Trost gegen die Furcht

1. In schwierigen Zeiten wächst leider bei manchen auch die Unvernunft. Vor einige Tagen war zu lesen, dass sich Gäste geweigert haben, die Insel Sylt zu verlassen. Davon erzählt der Bürgermeister einer Zeitung im Telefoninterview (SPIEGEL-online 18.3.2020). Dafür haben sie eigenwillige Argumente. Sie hätten schließlich bezahlt sagen sie – na ja. Aber dann entdecken sie auch noch die Mediziner in sich und sagen: In der frischen Seeluft sei eine Ansteckung bestimmt unmöglich. Was sie dabei nicht sagen: Sie sind auch beim Hotelfrühstück; in Geschäften und womöglich in Lokalen. Vermutlich wollen sie einfach die Anweisung der Inselverwaltung nicht befolgen. In ihrem Leichtsinn missachten sie: Die Insel wäre gar nicht in der Lage, genug Krankenhausbetten zur Verfügung zu stellen.

Zugleich hören wir von sogenannten „Coronapartys“ und allerlei nächtlichen Treffen in Parks, bei denen Alkohol fließen soll.

2. Es ist eine seltsame Sache mit dem Leichtsinn. Auf der einen Seite behauptet man sich, dass einem nichts passieren wird. Auf der anderen Seite missachtet man völlig, dass man andere Menschen anstecken könnte. Das haben manche oder viele offenbar nicht im Blick – einige nie. Das ist, um es vorsichtig zu sagen, unfassbar. Wem angeblich nichts passiert, der kann auch nichts auslösen – das ist eine höchst eigenwillige Logik.

Diese Menschen muss man nicht verstehen, aber bekämpfen muss man sie. Viele meinen schon, unser Land käme um eine Ausgangssperre nicht mehr herum. Zu locker würden Menschen die Anweisung handhaben, möglichst nicht vor die Tür zu gehen. „Nehmen Sie die Lage ernst“, mahnte darum die Bundeskanzlerin in ihrer Rede am Mittwoch.

3. Gerade erleben wir Wochen und Monate der Furcht, das ist offensichtlich und schlimm. Und niemand kann zu uns kommen und uns sagen: „Fürchtet euch nicht!“ Doch, wir müssen uns fürchten. Hundertausende bekämpfen mit ihren medizinischen Mitteln einen Gegner, den sie kaum oder gar nicht kennen. Wir wissen noch nicht einmal, wann und ob alles „wieder gut“ wird. Wir sind ausgeliefert.

Nur eins wird uns helfen, diese Wochen zu überstehen: dass uns jemand tröstet. Eine Frau erzählt von einer Krankenschwester, die immer sagt, was viele jetzt sagen: „Passen Sie bitte auf sich auf!“ Aber  wie  sie es sagt. Mit einer Wärme und Herzlichkeit, dass die Patientin sich am liebsten in die Worte hineingelegen würde wie in ein Nest.

Wenn wir nichts ändern können, gibt es doch Trost. Diese Engel bleiben, damit sie uns behüten auf allen unseren Wegen. Wir werden sie auch erkennen - und wir erfahren sie in der Zuwendung, die sie uns schenken.   

Michael Becker, Werkstatt für Liturgie und Predigt, 20. März 2020

Michael Becker

Gottesdienst aus dem Ulmer Münster

Sehen Sie hier den Gottesdienst von Prälatin Gabriele Wulz aus dem Ulmer Münster: "Du bist nicht allein."

Gottesdienst aus der Marienkirche in Reutlingen

Gottesdienst "Du bist nicht allein" mit Prälat Christian Rose aus Reutlingen.

Gottesdienst aus der Kilianskirche in Heilbronn

Hier können Sie den Gottesdienst mit Prälat Harald Stumpf aus der Kilianskirche in Heilbronn sehen.